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29. Oktober 2020

Jahresbericht 2020

a)  Bericht aus dem Jemen     b)  Bericht aus Deutschland

Aichach, im November 2020

Liebe Freunde,

a)  Bericht aus dem Jemen

Immer wieder werde ich erstaunt gefragt: „Ja ist denn im Jemen immer noch Krieg?"
Ja es ist immer noch Krieg! Das Leiden der Menschen dort nimmt kein Ende.

Viele Familienväter haben durch die von den Bomben zerstörten Fabriken kein Einkommen mehr. Das hat Hunger für die ganze Familie zur Folge. Es können im Notfall keine Medikamente gekauft werden. Oft ist schon die Fahrt zu Ärzten und Krankenhäusern nicht nur gefährlich, sondern auch unbezahlbar. Laut UNHCR stirbt alle 10 Minuten ein Kind an den Folgen des Hungers.
Nun kommt noch die Corona-Pandemie dazu. Die Huthis geben für das von ihnen besetzte Gebiet keine Fallzahlen bekannt. Sie haben jedoch behauptet, die Mitarbeiter der WHO hätten bewusst einen Corona-Kranken in Sanaa eingeschleppt, um den Menschen dort zu schaden. Daraufhin hat sich die WHO zurückgezogen. Das wiederum ist für die Menschen dort eine Katastrophe.
Inzwischen hat sich die Zahl der Hilfesuchenden bei uns auf ca.120 Menschen erhöht. Es handelt sich um Kriegswaisen, Witwen und alte, geschwächte Menschen, die durch die Kämpfe alles verloren haben.
Sie alle haben entsetzliches erlebt und sind traumatisiert.
Doch auch für uns war dieses Jahr katastrophal. Scheich Sadeq, der Initiator unseres Krankenhauses und treuer Mitarbeiter seit nahezu 25 Jahren, ist am 22.03.2020 in Kairo an den Folgen der Spritze eines Urologen verstorben. Er war in einen anaphylaktischen Schock gefallen und lag dann fast 4 Wochen im Koma. Er und sein ihn begleitender Sohn haben über ein Jahr vergebens in Kairo auf ein Visum nach Deutschland gewartet. Er litt an einer Herzinsuffizienz und an Diabetes mellitus. Er sollte hier bei uns eine Rehabilitierungsmaßnahme durchlaufen.
Sein Sohn und sein Bruder, der auch nach Kairo kam, sind inzwischen, nachdem der Flugplatz von Kairo wieder geöffnet worden ist, wieder in den Jemen zurückgeflogen. Sie mussten Scheich Sadeq schweren Herzens in Kairo zurücklassen. Sein Sohn Waheeb (Apotheker), ist jetzt das Clanoberhaupt. Er arbeitet inzwischen in einem kleinen Krankenhaus in Taiz.
Der zweite Sohn Arafat hat Anfang März das Staatsexamen der Medizin in Sanaa abgelegt. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht das Krankenhaus von Al Mihlaf im Sinne seines Vaters für die Armen weiter zu führen. Täglich besuchen ca. 90 Patienten die Ambulanz. Die Gegend um Al Mihlaf war schon vor dem Krieg eine der ärmsten Regionen des Jemen. Da es keinerlei soziales Netz im Jemen gibt, ist es kaum möglich von den Patienten Geld für die Behandlung und die Medikamente zu fordern - so werden die Meisten kostenlos behandelt. Medikamente gibt es auf dem Schwarzmarkt, entsprechend teuer. Das bedeutet: Wir brauchen wesentlich mehr Geld zum Erhalt des Krankenhauses als jemals zuvor. Bisher ist es uns, Dank Ihrer Unterstützung, immer noch möglich gewesen, den Menschen dort zuverlässig zu helfen.
In Taiz wurde uns die Wohnung der Kinder wegen Eigenbedarf gekündigt. Da inzwischen 72 Kinder dort betreut wurden, können Sie sich sicher vorstellen, dass es unmöglich war für so viele Kinder eine neue Unterkunft zu mieten. Nach langer Suche fand Ali, der dritte Sohn von Scheich Sadeq, der inzwischen das Staatsexamen in BWL abgelegt hat, ein passendes Haus in Taiz. Taiz ist geteilt, wie einst Berlin. Das Haus steht auf Regierungsgebiet und ist somit wenigsten vor dem Saudischen Bombardement sicher. Leider war nur das Erdgeschoss ausgebaut. Da das Fundament für acht Stockwerke berechnet ist, konnte aufgestockt werden. Jedes Stockwerk umfasst 230 qm. Ali hat mit den großen Jungs inzwischen das zweite Stockwerk ausgebaut und im dritten Stockwerk muss nur noch der Innenausbau fertig gestellt werden. Ich bin ungeheuer stolz auf die Leistung der jungen Menschen dort. Sie haben jeden Tag neben Schule und Studium mindestens zwei Stunden am Bau hart gearbeitet. Kurz vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist es Ali gelungen, mit allen Kindern, Witwen und alten Menschen in das neue Haus einzuziehen. Der Ausbau des dritten Stockes ruht jedoch jetzt wegen der Corona-Pandemie. Ali lässt zum Schutze Aller keine Handwerker auf das Gelände.
Sie fragen sich sicher, wie wir das alles finanziert haben. Es ist nur gemeinsam mit dem Geld aus dem Verkauf von Scheich Sadeqs Grundstück, dem Förderverein Aktion Jemenhilfe e.V., der Jemen Kinderhilfe e.V. und mit unserer Stiftung Jemenhilfe Deutschland möglich gewesen. Dies alles nach Rücksprache mit dem Finanzamt.
Ali ist voll mit der Betreuung und Verwaltung seiner Schutzbefohlenen beschäftigt. Er verwaltet die Gelder, besorgt Lebensmittel, Kleidung und Medikamente. Er geht mit den Kindern zum Beispiel zum Zahnarzt, besucht die Schulen. Inzwischen haben wir 24 Studenten oder Azubis. Davon sind 14 Mädchen. Eine von ihnen ist z.B. Basma, sie ist Kriegsvollwaise und hat jetzt, nach Rücksprache mit mir, mit dem Studium der Zahnmedizin begonnen. Waheeb hat jetzt die Behördengänge übernommen.
Arafat kann leider nur sehr selten nach Taiz kommen. Der Weg, der einst zwei Stunden Fahrt gekostet hat, dauert jetzt zwei Tage und ist sehr gefährlich.
Auch Corona hat den Jemen fest im Griff. Es gibt selbst für die Ärzte keine geeignete Schutzkleidung, nicht genügend Sauerstoff und Betten, mit der Folge, dass viele von ihnen erkrankt, ja gestorben sind. Die wenigen noch intakten Krankenhäuser haben darum geschlossen. Die Menschen sterben zu Hause. Es gibt keine exakten Angaben des Staates über die Opfer. Man rechnet jedoch, dass ca. 65 000 Tote zu beklagen sind. Einer der Ärzte von "Ärzte ohne Grenzen" sagt, es gebe wohl keine Familie, die nicht betroffen sei.
Laut UNHCR ist es die weltweit größte humanitäre Krise überhaupt.
Wie mir Arafat diese Woche mitteilte, wird der Jemen noch von einem anderen Virus namens Chikungunya heimgesucht. Auch dagegen gibt es keine Medikamente.

b)  Bericht aus Deutschland

Wie Sie sicher bemerkt haben, haben wir dieses Jahr Corona bedingt keine Jahreshauptversammlung abgehalten. Die Frage war, ob wir eine digitale Veranstaltung durchziehen. Dies schien uns im Blick auf unsere vielen älteren Mitglieder keine Lösung. Wir wollen weder Ihre noch unsere Gesundheit aufs Spiel setzen. Sobald sich die Situation wieder verbessert, werden wir die Sitzung sofort nachholen.
Unsere Kassenprüfer haben die Kassen unserer beiden Vereine geprüft und in Ordnung befunden.
Wir haben inzwischen unsere Website umgestaltet. Sie finden uns im Internet unter:
www.jemenhilfe-deutschland.de  oder: www.aktion-jemenhilfe.de  oder: www.jemen-kinderhilfe.de


Ich selbst war noch vor Ausbruch der Corona Pandemie drei Wochen in Kairo am Bett von Scheich Sadeq, der auf Grund einer fehlerhaften Behandlung einen anaphylaktischen Schock erlitten hatte und im Wachkoma lag. Zwei Tage ehe der Kairoer Flughafen gesperrt wurde, konnte ich noch nach Hause fliegen. Wir waren zunächst voller Hoffnung, dass er überleben würde, doch dann kam am 22.03.2020 die traurige Nachricht von seinem Tode.
Gott sei Dank sind seine Söhne, wie ich oben bereits geschildert habe, bereit, sein Werk in seinem und unserem Sinne weiter zu führen. Somit sind unsere Projekte nicht gefährdet.
Immer wieder bekomme ich Angebote von Sachspenden. Diese muss ich leider ablehnen, denn es ist uns unmöglich, außer Geld, irgendetwas, weder per Schiff noch per Flugzeug, in den Jemen zu bringen. Gott sei Dank funktioniert der Geldtransfer nach wie vor sehr gut.
Wir sind also dringend auf Geldspenden angewiesen. Wir benötigen pro Monat für das Krankenhaus 7.000 EUR und für das Kinderhaus ebenfalls 7.000 EUR. Bisher ist es uns gelungen dies zu gewährleisten. Ich mag jedoch gar nicht daran denken, was geschehen könnte, wenn uns das Geld ausgeht??? Wir müssten das Krankenhaus schließen und die Kinder wieder auf die Straße schicken.
Der Weihnachtsmarkt in Affing entfällt leider dieses Jahr. Im Augenblick wissen wir auch nicht, ob der Weihnachtsmarkt in Aichach stattfinden kann. Wir hoffen sehr, dass wir Weihnachtsschmuck verkaufen können.
Ihnen allen danke ich von ganzem Herzen für Ihre Unterstützung in der Vergangenheit!
Frohe Feiertage und bleiben Sie gesund!

Aenne Rappel

Für den Vorstand